Mobbing In Der Arbeit Beispiel Essay

Studie: 67 Prozent der ÖsterreicherInnen haben Mobbing am Arbeitsplatz erlebt#

Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von http://blog.vikingdirekt.at (26. Jänner 2018)

Es passiert jeden Tag. Branchenunabhängig. Es kann dem Fabrikhallenarbeiter passieren oder dem auf dem Schreibtischstuhl sitzenden Büroarbeiter und die Konsequenzen können ein dramatisches Ausmaß annehmen, wenn es nicht gestoppt wird: Mobbing. Obwohl das Problem in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gerückt ist, wird immer noch nicht genug getan, um Opfern zu helfen und Mobbing zu stoppen.

Das liegt unter anderem daran, dass es nicht genug Informationen zum Thema gibt und die Aufklärung nicht gut genug ist. Auch im Interview mit Psychotherapeutin Mag. Elisabeth Knizak, die Menschen im Zentrum für Mobbingberatung und Konfliktlösung am Arbeitsplatz berät, gibt die Mobbing-Expertin an, dass die Zahl der Mobbingopfer in den letzten Jahren gestiegen ist. Das Thema Mobbing am Arbeitsplatz wird also immer wichtiger.

Im Rahmen einer österreichweiten repräsentativen Studie mit insgesamt 500 TeilnehmerInnen haben wir uns diesem Thema angenommen. Hauptsächlich mit dem Ziel, die Hintergründe von Mobbing am Arbeitsplatz näher zu beleuchten, um herauszufinden, wie häufig österreichische ArbeitnehmerInnen mit Mobbing am Arbeitsplatz konfrontiert sind und wie sie in einer Mobbingsituation reagieren.

Mobbing – was ist das eigentlich?#

Eine konkrete Definition von Mobbing am Arbeitsplatz ist noch nicht im österreichischen Gesetz verankert, aber laut der Wirtschaftskammer Österreichs ist „Mobbing ein Verhalten unter Arbeitnehmern, das darauf abzielt, eine Person zu verletzen, einzuschüchtern, zu entmutigen, auszugrenzen oder aus dem Arbeitsverhältnis zu drängen. Mobbing kann auch von Vorgesetzten ausgehen oder sich gegen solche richten“.

Folgen können sowohl schwere psychologische oder psychosomatische Schäden, als auch soziale Isolierung am Arbeitsplatz sein. Mobbing hat viele Formen; vom Ausschließen oder Ignorieren eines Kollegen, über Telefonterror bis hin zu Einschüchterungen.

Mobbing ist oft schwer von außen zu erkennen, da es sich laut Knizak in der Mehrzahl der Fälle um einen Gruppenprozess handelt. Das heißt, der Mobber ist nur ein kleiner Teil in einer Gruppe von Anhängern und Zuschauern, die nicht unbedingt aktiv involviert sind, aber die Handlung geschehen lassen oder sogar unterstützen.

Wie sieht die Mobbingsituation in österreichischen Büros wirklich aus?#

Mobbing kann überall bei der Arbeit auftreten und das unabhängig davon, in welcher Branche Sie arbeiten. Laut der von uns mithilfe des Meinungsforschungsinstituts OnePoll durchgeführten repräsentative Studie haben in Österreich zwei Drittel (66,8 Prozent) der ArbeitnehmerInnen schon einmal Mobbing am Arbeitsplatz erlebt, oder waren sogar selbst Opfer oder Täter. Das ist schockierend besonders weil 58,4 Prozent der Befragten angaben, dass Mobbing am Arbeitsplatz kein Problem sei.

Mobbing wird also offensichtlich von vielen nicht als großes Problem angesehen, obwohl immer mehr Menschen betroffen sind und viele es schon beobachtet haben oder sogar am eigenen Leib erfahren mussten. Mobbing geht in vielen Fällen auch vom Management aus und hat einen wirtschaftlichen Hintergrund. Expertin Knizak gibt an, dass sich dies dann oft gegen ältere Mitarbeiter richtet mit der Absicht der Vertreibung und der Kosteneinsparung.

Das wird bestätigt von unserer Studie, denn wir konnten feststellen, dass Mobbing altersabhängig sein kann. So wurden zum Beispiel 18- bis 44-Jährige im Durchschnitt weniger gemobbt (20,6 Prozent) als Personen der Altersgruppe 45 bis 55+ (27,3 Prozent).

Wie verhalten wir uns in einer Mobbingsituation?#

Wie hoch die Schmerzgrenze eines Menschen ist, variiert stark. Elisabeth Knizak berichtet: „Da gibt es welche, die Jahrzehnte im Extremfall benötigen und andere, die brauchen etwa ein halbes Jahr. Wieder andere kommen sehr schnell, weil die wissen möchten, was los ist. Das ist allerdings eher die Minderheit. […] Die Leute kommen meistens erst dann, wenn es für sie unerträglich wird.“.

Auch wenn viele sich erst spät wehren, so tun sie es doch, denn 84,2 Prozent der von uns Befragten gaben an, sich in einer Mobbingsituation zur Wehr zu setzen. Für einen Kollegen, der gemobbt wird, würden sich sogar dreiviertel der Befragten einsetzen und entweder mit dem Mobber sprechen oder sich ans Management wenden.

Auch wenn die Mehrzahl der Befragten angibt, sich in einer Mobbingsituation Hilfe zu suchen, ist die Angst vor negativen Konsequenzen doch sehr groß. So geben weit über die Hälfe der Befragten an, die Angst die Situation für sich selbst zu verschlimmern würde sie davon abhalten etwas gegen Mobbing zu tun und 63,6 Prozent geben an, sie hätten Angst vor negativen Auswirkungen auf ihren Job, sollten sie sich wehren.

Auffällig ist, dass Frauen sich, die laut unserer Studie etwas häufiger gemobbt werden als Männer, eher Angst davor haben ihre eigene Situation zu verschlimmern (72,2 Prozent), während Männer eher besorgt sind um ihre Karriere (65,4 Prozent), wenn sie sich bei Mobbing wehren.

Frauen haben auch größere Angst, dass sie selbst zum Opfer werden könnten (50 Prozent), wenn sie einer KollegIn helfen und in eine Situation einschreiten, während Männer wiederum die negativen Auswirkungen auf ihren Job fürchten (53,7 Prozent).

Hilfestellung von der Firma bei Mobbing#

Der Großteil der von uns Befragten ist sich darüber einig, dass sie die Firma aufgrund von Mobbing verlassen würden (76,1 Prozent). Dieser Umstand und die 22,2 Prozent der Befragten, die sich krankschreiben lassen würden oder trotz der hohen psychischen Belastung weiterarbeiten würden, sollte ein Weckruf für Firmen sein, besonders wenn ihnen daran liegt, qualifiziertes Personal zu binden.

Unsere Expertin sagt dazu: „Wenn man Firmen klarmacht, dass es sie irrsinnig Geld kostet, dann ist das der beste Motivator etwas zu tun. Wichtig ist auch hier den Krankenstand zu berücksichtigen, denn wenn es Kollegenmobbing gibt und das von oben geduldet wird, damit man den Mitarbeiter loswird, dann wollen ja Kosten gespart werden aber das Gegenteil ist oft der Fall, wenn Menschen eben krank werden.“.

In der Realität wird diese Situation leider oft nicht miteinbezogen und so bekommen viele Mobbingopfer am Arbeitsplatz nicht die Hilfe, die sie benötigen. In erschreckenden 63,6 Prozent der Fälle reagiert die Firma laut unserer Studienteilnehmer lediglich auf akute Mobbingfälle oder es wird überhaupt nichts unternommen. Weiterhin geben rund ein Viertel der Befragten (24,6 Prozent) an, ihre Firma habe Regeln bezüglich Mobbing in den Verhaltenskodex aufgenommen.

Lediglich 83 der 500 Befragten gaben an, dass strenge Maßnahmen von Vorgesetzten ergriffen wurden. Das bestätigt Mobbingexpertin Knizak: „Natürlich haben manche Firmen einen Code of Conduct, oder eine Betriebsvereinbarung, aber das Ganze muss eben auch gelebt werden in der Firma, es reicht nicht, dass es auf dem Papier steht, das nützt überhaupt nichts. Es passiert in vielen Fällen wenig und ich denke es passiert dort am wenigsten wo das Interesse daran einen Konflikt im Ernstfall zu lösen sehr gering ist und andere (wirtschaftliche) Interessen wichtiger sind.“.

Wie verhalten in einer Mobbingsituation? Tipps von unserer Expertin#

Auch wenn es laut Psychotherapeutin Knizak kein Patentrezept gibt, da jeder Fall individuell betrachtet werden sollte, so hat sie doch diesen Ratschlag für ArbeitnehmerInnen, die sich gemobbt fühlen: Wer gemobbt wird, sollte versuchen die Isolation zu verlassen, in die man als Opfer gedrängt wird. Das bedeutet im Klartext, dass versucht werden sollten sich die Kontakte bei der Arbeit zu bewahren mit denen der Kontakt grundsätzlich gut ist.

Außerdem sollte die Freizeit genutzt werden, um Kraft zu schöpfen, sich der Familie oder Freunden anzuvertrauen und die Situation zu verstehen. „Wenn die Leute erst einmal verstehen, wo das Problem liegt und warum etwas passiert, dann wirkt das oft schon sehr entlastend.“, so die Expertin. Wichtig ist auch, dass man sich Hilfe bei einer neutralen Person sucht, denn oft kann Rat besser angenommen werden, wenn keine persönliche Verbindung besteht.

Mobbing Zeichnung von Cliff van Thillo

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Dorothee Hamann* schreibt:

Ich habe als leitende Oberärztin in einer psychiatrischen Ambulanz und Tagesklinik angefangen. Die ersten sechs Monate lief alles wunderbar. Ich war höchst motiviert, habe meine Mitarbeiter wertgeschätzt und hatte den Eindruck, dass alles professionell läuft.

Seitdem ich mit der Arbeit begonnen hatte, sind die Patientenzahlen ungefähr um ein Drittel gestiegen, also gab es auch mehr zu tun. Der Druck auf die Mitarbeiter stieg. Natürlich passte das nicht allen.

Ich merkte schnell, dass vor allem eine Schwester damit Probleme hatte. Sie wurde mir gegenüber sehr feindselig. Sie hat Dinge, um die ich sie bat, nicht mehr ausgeführt. Bei Neuaufnahmen sollte sie zum Beispiel die Akten anlegen. Aber sie weigerte sich, obwohl sie diese Arbeit für unsere Psychologen erledigte. Schließlich übernahm meine Arzthelferin das für mich.

Dann lief etwas mit den Terminen schief. Plötzlich waren zwei Patienten gleichzeitig gebucht. Meist wurden die Termine am Mittag und kurz vor Feierabend doppelt vergeben, sodass ich keine Pause mehr machen konnte und länger auf der Arbeit bleiben musste. Theoretisch konnte jeder an den Computer gehen, um Termine zu verändern. Aber eigentlich war nur eine Kollegin dafür zuständig - und zwar die Schwester, die sich weigerte, die Akten abzuheften.

Dann haben auf einmal Aufzeichnungen aus einer Patientenakte gefehlt. Zwei Wochen später habe ich diese Aufzeichnungen zufällig bei einem anderen Patienten eingeheftet gefunden. Meine Arzthelferin und ich konnten uns das nicht erklären. Irgendwann fehlten sogar ganze Akten. In dieser Zeit habe ich auch erfahren, dass schon einmal eine Mitarbeiterin der Klinik gegangen war, weil sie mit der Schwester nicht klar kam.

Ich habe meinem Chef schließlich gesagt, dass ich mit der Schwester nicht mehr zusammenarbeiten will, weil sie sabotiert. Doch mein Antrag, dass sie in eine andere Klinik versetzt wird, wurde abgelehnt. Die Schwester hat natürlich alles abgestritten. Sie räumte nur ein, dass sie Termine am Computer verändert hatte, aber nur um den Patienten einen Gefallen zu tun.

Was kann ich tun?

*Name geändert

Psychologe Rainer Müller antwortet:

Zur Person

  • Verena Reinke

    Als freiberuflicher Trainer und Berater beschäftigt sich der Hamburger Diplom-Psychologe Rainer Müller vorrangig mit Konflikt- und Stressmanagement. Zudem moderiert er das "Fachforum Mobbing" und schreibt für den Blog "Psyche und Arbeit".

Eine plötzliche Arbeitsverdichtung kann dazu führen, dass die betroffenen Mitarbeiter sich jemanden suchen, an dem oder der sie ihren Frust ablassen können. Als Vorgesetzte könnten Sie etwas dagegen unternehmen, indem Sie die Gründe für die notwendige Mehrarbeit offen kommunizieren. Außerdem können Sie mit den Mitarbeitern nach Wegen suchen, wie sie mit dem gestiegenen Druck umgehen können.

Als sich Ihre Kollegin weigerte, Akten für die Neuaufnahmen anzulegen, hätten Sie mit ihr ein entsprechendes Gespräch führen können. Unabhängig davon ist aber natürlich jeder Arbeitnehmer dazu verpflichtet, die vereinbarten Tätigkeiten mit gehöriger Sorgfalt zu leisten und den Weisungen des Vorgesetzen zu folgen.

Die Schwester hätte die Termine nicht doppelt vergeben dürfen. Mit der Aussage, sie habe den Patienten damit nur einen Gefallen tun wollen, konnte sie ihr Verhalten allerdings einigermaßen plausibel begründen. Dieses Problem ließe sich mit einer klaren Absprache oder einer schriftlich festgehaltenen Vereinbarung schnell lösen.

Brisanter Verdacht

Der Verdacht, dass die Schwester Ihre Unterlagen versteckt und somit Ihre Arbeit sabotiert, ist hingegen deutlich brisanter. Solange Sie aber keine Beweise dafür haben, wird es schwierig. Ihr Wunsch, mit dieser Frau nicht mehr zusammenzuarbeiten, ist nachvollziehbar. Allerdings überzeugten Ihre Gründe die Personalabteilung nicht ausreichend, um sie zu versetzen. Die Vermutung, dass bereits eine andere Kollegin wegen ihr gekündigt hat, ist in diesem Kontext leider unerheblich.

Was können Sie in einem solchen Fall also tun? Machen Sie den Verlust der Akten öffentlich und bitten Sie Ihre Kollegen bei der Suche mitzuhelfen. Sprechen Sie also Ihren Vorgesetzten sowie das gesamte Team (vielleicht in einem Meeting) darauf an. Weisen Sie darauf hin, wo Sie die Akten zuletzt abgelegt haben.

Ich würde zunächst niemandem die Schuld geben, da die Beschuldigten - wie in Ihrem Fall geschehen - ihr Vergehen aller Voraussicht nach nicht zugeben werden. Wenn Sie die Verluste öffentlich machen, werden Ihre Kollegen künftig vielleicht verstärkt auf derlei Vorkommnisse achten. Somit dürfte es zumindest unwahrscheinlicher werden, dass sich so etwas in naher Zukunft wiederholt.

Für sinnvoll halte ich es zudem, Aufzeichnungen anzufertigen, um Ihren Verdacht zu stützen. Wird die Arbeit eines Kollegen bewusst und nachweislich sabotiert, kann das schließlich eine Kündigung zur Folge haben.

Sie werden am Arbeitsplatz gemobbt?

    Ihre Kollegen lästern hinter Ihrem Rücken über Sie? Ihr Chef überfrachtet Sie mit Arbeit oder gibt Ihnen nur undankbare Aufträge? Sie werden im Büro ausgegrenzt, Kollegen enthalten Ihnen wichtige Informationen vor oder weigern sich, mit Ihnen zusammenzuarbeiten? Wenn Sie am Arbeitsplatz gemobbt werden, dann schreiben Sie uns. Psychologe Rainer Müller hilft weiter. Schicken Sie Ihre Sorgen, Probleme und Fragen an spon.bildung@spiegel.de. Mit einer Einsendung erklären Sie sich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.

Sie erwähnen auch, dass die von Ihnen beschuldigte Schwester sich zunehmend feindselig verhielt. Woran machen Sie das fest? Was hat sie gesagt, wie hat sie sich verhalten? Und wie haben Sie darauf reagiert? Auch die Antworten auf diese Fragen sollten Sie (mit Angabe des Datums, einer kurzen Beschreibung der Situation und einer Auflistung eventuell anwesender Personen) in das Tagebuch eintragen.

Arbeiten Mitarbeiter nicht mehr gut zusammen, müssen Sie die Krankenhausleitung auf ihre Fürsorgepflicht hinweisen. Fordern Sie sie auf, sich für ein besseres Betriebsklima einzusetzen. Auch den Betriebsrat könnten Sie in solchen Fällen um Hilfe bitten.

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